"Die Blechdose" von Kim Fielding



Die Geschichte handelt von William Lyon, der sich sein ganzes Leben lang verstellt hat, weil er es nicht anders gelernt hat. Doch irgendwann hat er einfach nicht mehr die Kraft dazu, diese Scharade aufrechtzuerhalten. Er lässt sich scheiden und nimmt einen Job in einer ehemaligen, geschlossenen psychiatrischen Anstalt in Jelley Vealley an, um dort seine Dissertation zu beenden.

Dort begegnet er Colby Anderson, der das komplette Gegenteil von William ist - offen, immer gut drauf und geoutet. Obwohl William ihm gegenüber distanziert ist, entwickelt sich eine Freundschaft. Colbys ganze Persönlichkeit verändert William und lässt ihn immer mehr zu dem werden, der er eigentlich sein wollte.

Doch nicht nur Colby hilft ihm dabei, seinen Weg zu gehen. William findet in einem Zimmer der Anstalt eine Blechbox mit diversen Briefen darin, geschrieben von Bill, der wegen seiner Homosexualität eingesperrt wurde, an seine große Liebe Johnny. Diese traurige Geschichte über eine Liebe, die nicht vergehen kann, gibt William die Stärke für seine eigenen Träume einzustehen.

Ich habe selten so eine Achterbahnfahrt bei einem Buch erlebt. So ziemlich jedes Gefühl ist hier vertreten: Trauer, Wut, Liebe, Glück. Trauer wegen Bills Schicksal, sowie wegen des Schicksals vieler anderer Patienten in dieser Anstalt. Wut über den damaligen Umgang mit Patienten, die oft nicht mehr als Menschen angesehen wurde, sowie über die heutige Zeit, wo man noch immer der Meinung ist, dass man Kinder vor der Homosexualität durch diverse "Therapien" helfen kann. Glück, weil William seinen Weg gefunden hatte, um wirklich ein glückliches Leben zu führen.

Williams Wandlung ist glaubhaft, wenn auch sehr schwierig für ihn, da ihm von klein auf eingetrichtert wurde, dass das Sünde sei. Mit Colby schafft er es, über seinen Schatten zu springen und sich endlich zu Hause zu fühlen. Natürlich verläuft nicht alles reibungslos, wie auch? Das tut es auch im echten Leben nicht. Die Liebe zwischen den beiden entwickelt sich langsam, fast schleichend, aber genau das macht es so authentisch.

Man erhält Einblicke in die damalige Zeit der Psychologie / Psychiatrie und zwar auf eine Art und Weise, die die Emotionen überkochen lassen. Menschen wurden wie ein Gegenstand behandelt. Menschen, die nicht geistig krank waren, wurden eingesperrt weil sie nicht der Norm entsprachen. Bills Schicksal ist traurig, umso schöner ist es dann, dass es William die Kraft gibt, sein Leben zu ändern und so zu gestalten, wie er es möchte.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich zwischendurch eine Pause machen musste, da mich das Buch emotional so betroffen machte. Aber trotzdem würde ich jedem ans Herz legen, es zu lesen. Denn wenn es etwas zeigt, dann, dass selbst in den dunkelsten Stunden, Momenten, Tagen, es noch immer Hoffnung gibt.

Daher eine klare Leseempfehlung von mir.

Weitere Meinungen zum Buch gibt's bei Jules' bunte Welt der Bücher, El Ma liest & träumt, Laberladen.

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