"Rattlesnake" von Kim Fielding

Jimmy ist seit Jahren heimatlos und reist von einem Ort zum Anderen, hält sich mit Gelegenheitsjobs mehr schlecht als recht über Wasser und hat die Hoffnung, dass es eines Tages anders sein wird, aufgegeben. Eines Nachts liest er einen Anhalter namens Tom auf, der nach Rattlesnake möchte um seinem Sohn einen Brief zu übergeben. Doch Tom stirbt in Jimmys Auto und Jimmy sieht sich dazu verpflichtet, selbst nach Rattlesnake zu reisen um Toms Sohn den Brief zu überreichen.

Im Rattlesnake Inn lernt er Shane kennen, der dort seit einen Unfall, als Barmann arbeitet. Die Funken sprühen zwischen ihnen und als dann auch noch Jimmys Auto den Geist aufgibt, besorgt ihm Shane einen Job und ein Zimmer im Inn.

Die Geschichte sprüht nicht vor Drama, sondern sie ist ruhig, widerspiegelt das Leben, wie es sein könnte. Und genau darin liegt der Reiz. Beide Protagonisten - Jimmy und Shane -, aber auch die Nebenprotagonisten sind so lebendig und man lebt und fühlt mit ihnen mit.

Man spürt Jimmys Hoffnungslosigkeit, seine Gedanken, dass er nicht gut genug für Shane sei und ohnehin alles bald wieder verschwinden würde. So wie er ...

„Weißt du, was ich bin? Ich bin ein Geist. Ich weiß, ich habe dir gesagt, ich würde nicht an Geister glauben. Auch so eine Lüge. Ich glaube an Geister, weil ich selbst ein Geist bin. Tom war auch ein Geist, selbst als er noch am Leben war. Menschen wie wir … Es gibt so viele von uns, aber keiner sieht uns. [...] Wenn wir sterben, vermisst uns kein Mensch. Es gibt niemanden, der unsere Asche beansprucht, um uns zu beerdigen.“

Und dann ist da Jimmys andere Seite. Er ist höflich, fleißig, zuvorkommend und sieht die Leute so wie sie sind. Und er gibt Shane das Gefühl, dass er nicht weniger wert sei, nur weil er Narben im Gesicht und durch den Unfall beeinträchtigt ist. Er nimmt ihn so wie er ist.

Shane hat auch sein Päckchen zu tragen. Durch einen Autounfall kann er nicht mehr seinen Traumjob ein Cowboy zu sein ausleben und arbeitet daher als Barmann. Der Unfall hat ihn auch beeinträchtigt und er versucht sein Leben so selbstständig wie möglich zu leben. Er ist gleich von Jimmy, von seinen Geschichten fasziniert und hilft ihm, dass er hier in Rattlesnake einen Job bekommt.

Das Näherkommen der beiden ist rührend und einfach stimmig. Es ist nicht zuckrig, es ist nicht übermäßig romantisch, aber es ist echt und einfach voller Gefühl. Beide ergänzen sich, beide helfen sich gegenseitig und es ist einfach schön zu lesen, wie sie zusammenwachsen, obwohl Jimmy im Hinterkopf immer diese Gedanken hegt, dass es nicht von Dauer ist, dass es nicht von Dauer sein kann. Dennoch rutscht die Geschichte nie ins Hoffnungslose ab, man sieht immer den hellen Streif am dunklen Himmel. Und man wünscht sich nichts sehnlicher, als dass die beiden ihren Weg finden und Jimmy den Wert eines Zuhauses erfährt.

Kim Fielding ist und bleibt eine meiner absoluten Lieblingsautoren. Und diese Geschichte reiht sich ganz weit oben ein. Wirklich ein wundervolles Lesevergnügen und daher gibt es definitiv eine Leseempfehlung.

Weitere Meinungen zum Buch bei Laberladen, Gaylesen und Sabrina's Welt der Bücher.

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